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FLIEGERHORST
Leipheim und "sein" Fliegerhorst

Vorkriegszeit

Parallel zum Autobahnbau lief 1936 in Leipheim ein weiteres Großprojekt der nationalsozialistischen Regierung an:der Fliegerhorst. Strategische Gründe sind ausschlaggebend: Die Eisenbahn und für die Zukunft auch die Autobahn sichern den Nachschub. Leipheim ist nur einer unter mehreren Autobahn-Fliegerhorsten. Im Gegensatz zu den Fernstraßen sind die Fliegerhorste, die überall entstehen, eindeutig militärische Projekte. Da sie als neue „Stärke“ des Landes nach den als bitter empfundenen Verlusten des Ersten Weltkrieges und nicht als Kriegsvorbereitung propagiert werden, akzeptiert sie die Bevölkerung weitgehend. Hinzu kommt, dass durch die Gleichschaltungsmaßnahmen der NSDAP organisierter Protest so gut wie ausgeschlossen ist.

Leipheim wird nicht gefragt, ob es den Fliegerhorst will, und Beschwerden quittiert die Partei mit dem Hinweis auf das „Wohl des Volkes“ – es zeigt sich die Härte der neuen Regierung. Da die Vorteile für Leipheim zunächst überwiegen, arrangieren sich die Bürger mit der Situation. Das Verhältnis der Leipheimer zum Fliegerhorst ist zwiespältig. Einerseits wird die Stadt schlagartig aufgewertet, viele Bauarbeiter und Soldaten bringen Wirtschaft – und Wirtschaften! – in Schwung. Der

steigende Wohlstand und das gute Angebot an Arbeitsplätzen sichern dem Regierungsprojekt Sympathien. Auf der anderen Seite fallen die Regierungsentschlüsse ohne Leipheims Zustimmung. Die Baumaßnahmen zerstören alte Flurstrukturen und ein Stück der Römerstraße. Die Hospitalstiftung wird teilweise zwangsenteignet und soll vom Restkapital satzungswidrig Wohnungen für Fliegerhorst-Personal bauen. Die Flugzeuge erzeugen Lärm, der an den Nerven zehrt.

Zudem strömen mit Bau- und Horstpersonal viele Katholiken in die Stadt und es wird nach über 400 Jahren wieder eine (kleine) katholische Kirche gebaut.

Viele Leipheimer distanzieren sich von dieser Art „Zwangsökumene“.


 

Kriegszeit

Der Fliegerhorst ist ab 1940 – als Zweigwerk der Messerschmitt-Werke Augsburg – auch Flugzeugwerft. Die Messerschmitt 262 (Foto), das erste serienreife Düsenflugzeug der Welt, startet zu seinem Jungfernflug am 18. Juli 1942 vom Fliegerhorst Leipheim.

Die Me 262 ist ein Kriegsflugzeug, mit dem verzweifelt die alliierten Bomberströme – als Antwort auf die Bombardements britischer Städte – gestoppt werden sollen. Überlegen zeigt sich die Me 262 nur in der Luft. Bei Start und Landung hingegen ist sie durch alliierte Jagdflugzeuge gefährdet – und mit ihr auch Leipheim. 1944 erleiden Fliegerhorst und Waldwerk schwere Bombenschäden; 53 Me 262 werden zerstört.  Die Zivilbevölkerung leidet neben der permanenten Angst auch unter den anderen Folgen des Kriegszustandes: Einzug aller wehrfähigen Männer, Lebensmittel-verknappung, Luftschutzverordnungen, die Tarnanstriche und Verdunklung fordern.

Im April, Juli und November 1944, sowie im April 1945 erfolgen schwere Luftangriffe auf Fliegerhorst und Flugzeugwerk, die die Stadt jedoch weitgehend verschonen.

Zu Kampfhandlungen kommt es am 25. April 1945, kurz vor Kriegsende. Der Krieg gilt trotz gegenteiliger Propaganda als verloren. Doch die SS rückt von Günzburg aus an, um den Vormarsch der Amerikaner über die Donau zu stoppen. Nach heftigen Gefechten wird Leipheim von der US-Armee besetzt.

137 Leipheimer fallen im Krieg, 65 werden vermisst.

 

 

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Leipheim zunächst in amerikanischer Hand. Von 1946 bis 1949 dient der ehemalige Flugplatz als Lager für Displaced Persons.

Ab Oktober 1950 bezieht erneut die US-Armee das Gelände. Ab 1954 erfolgt ein Ausbau, zu dem die Besatzungsmacht 11 Hektar Landwirtschaftsfläche requiriert. Im Gegenzug bauen die Amerikaner Leipheims Sozialstruktur mit auf, so beim Bau der Schule, einer Rodelbahn oder auch bei Baggerarbeiten in der Donau zum Hochwasserschutz.


1957 sind erstmals wieder fliegende Verbände in Leipheim stationiert.
1959 übernimmt die Deutsche Luftwaffe den Standort. Der Flugplatz ist für Leipheim in der Nachkriegszeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Trotz Lärmbelästigung und unumgänglicher Sicherheitsbestimmungen der Militärzone bleibt der Kontakt zur Stadt stets gut.

 

 

Schlussakkord

1964 wird die fliegende Einheit auf dem Leipheimer Fliegerhorst der NATO unterstellt.

Ab 1975 ist der Fliegerhorst NATO-Reserveflugplatz, ab 1979 NATO -Einsatzplatz und macht Leipheim damit überregional bekannt. Zwar nicht als Werft, doch als „Schleuse“, d. h. Übergabebereich zwischen Fertigung und Verbänden, des Alpha-Jets dient der Standort ab 1978/79.

1994 wird der Flugbetrieb eingestellt. So sehr manch Einzelner sich darüber freut – für die Stadt insgesamt ist das ein herber Verlust. Die Einnahmen und die Zahl der Arbeitsplätze sinken rapide. 2005 sind noch einige nichtfliegende Einheiten der Bundeswehr stationiert. Zum 31.12.2008 endete die militärische Nutzung des Fliegerhorstes.
(Text: Heimat- und Bauernkriegsmuseum Blaue Ente"
)

 

Der Leipheimer Fliegerhorst heute .


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